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Hildesheimer Allgemeine Zeitung | 04. Juli 2016

Hildesheimer Allgemeine Zeitung | 04. Juli 2016

Eine Frau krempelt das Männerhaus um

Hildesheim - Die frische Farbe ist Programm: Grasgrün leuchtet die eine Wand im Büro von Leiterin Daniela Knoop. Seit drei Jahren gibt die 43-Jährige in der Herberge der Heimat den Ton an. Ein rotes Backsteingebäude in der Gartenstraße, das die meisten wohl nur vom Vorbeigehen kennen. Doch genau das soll bald Vergangenheit sein - wenn es nach den Plänen der großen Frau mit den rötlichen Haaren geht. Dann soll es die Unterscheidung zwischen denen da drinnen und den anderen da draußen nicht länger geben. „Hinter die Fassade schauen nur wenige - und genau das soll sich ändern“, sagt die gelernte Heilerziehungspflegerin mit Zusatzausbildung in Sozialpsychologie und Management. Schon jetzt hat sie eine Menge frischen Wind ins Männerhaus gebracht. „Gemeinsam erfinden wir die Herberg neu.“ Ziel ist ein besseres Miteinander im Quartier.

Die neue Zusammenarbeit hat schon begonnen: Mitarbeiter, Bewohner und Nachbarn haben Ideen für ein „Gasthaus“ entwickelt. Viele Bausteine für den neuen Treffpunkt hängen dafür zunächst noch an der Pinnwand neben dem Büro der Leiterin. Doch das Konzept ist längst nach draußen gedrungen - mit ungeahntem Erfolg: Unter 240 Vorschlägen hat das Bundesministerium für Umwelt im vergangenen Jahr die Hildesheimer „Gasthaus“-Idee ausgewählt und fördert es jetzt unter als Pilotprojekt - als eines von 14 Konzepten in Deutschland.

Männer bleiben etwa zwei Jahre

Darauf ist Daniela Knoop schon ein bisschen stolz. Dabei sieht sie sich hauptsächlich als Vermittlerin. Oder als Brückenbauerin, wie sie sagt. „Ja, ich bin eigentlich eine Frau auf dem Bau.“ Einen gelernten Zimmermann hat sie auch schon an ihrer Seite. Es ist Ingo Lübben. Der 60-Jährige, er unterrichtet an der Walter-Gropius-Schule, wohnt gleich in der Nachbarschaft. Er ist einer, der regelmäßig an dem „Baumeisterfrühstück“ teilnimmt. „Dieses Haus und die Menschen interessieren mich einfach sehr.“ Bei den Treffen wird die Herberge - die Fürsorgeeinrichtung gehört inzwischen zur Diakonie Himmelsthür - gedanklich auseinandergenommen: Obergeschoss, Keller oder auch die Fassade - überall gibt es Vorschläge. So soll beispielsweise aus der Werkstatt, die bereits im Anbau vorhanden ist, ein Treffpunkt werden, wo auch Anwohner Geräte und Werkzeug nutzen können. In dieser Runde ist auch die Idee entstanden, zwei Zimmer im Keller so auszubauen, dass Handwerker auf der Walz dort vorübergehend ein Dach über dem Kopf haben. „Wir knüpfen damit an alte Zeiten mit den Wanderarbeitern an“, sagt Knoop zwischen zwei Telefonaten. Gerade guckt einer der 17 Bewohner bei ihr im Büro vorbei. Er braucht Hilfe bei einem Formular. Die Leiterin ist neben der Projektarbeit auch täglich Ansprechpartnerin für die Männer. Unterstützung hat sie dabei von drei Sozialarbeitern. Sie versuchen, die Bewohner auf dem Weg zurück in ein eigenständiges Leben zu begleiten. Die Männer, die in der Herberge wohnen, sind zwischen 21 und 63 Jahre alt. Im Schnitt bleiben sie ungefähr zwei Jahre.

Frau weg, Wohnung weg

Einer von ihnen ist Manuel. Der 34-Jährige hat hier seit Mai ein kleines, möbliertes Zimmer. „Bin so froh, dass ich die Bleibe hab“, sagt der Mann mit unverkennbar schwäbischem Dialekt. Der zweifache Vater ist nach der Trennung von seiner Freundin plötzlich wohnungslos gewesen, erneut ins Drogenmilieu abgerutscht. Jetzt will er wieder festen Halt im Leben finden. Wenn es etwas im Haus zu tun gibt, dann packt Manuel mit an. Und wenn er dabei auch neue Leute aus der Nachbarschaft kennenlernt - umso besser. Für Leiterin Knoop ist es ein gutes Zeichen, dass die Idee mit dem „Gasthaus“-Projekt tatsächlich zu grünen beginnt.

Zur Geschichte der Herberge

Die Herberge zur Heimat in Hildesheim wurde 1881 in der Gartenstraße eröffnet. Gedacht war sie für die vielen Wanderarbeiter, die in die Stadt auf den Baustellen ihr Geld verdienten. Diese sogenannten „Tippelbrüder“ wie im 19. Jahrhundert gibt es nicht mehr, wohnungslose Männer aber seit den 1990er Jahren wieder verstärkt. In der Anlaufstelle finden sie ein vorübergehendes Zuhause. Auf drei Etagen sind in dem Haus möblierte Einzelzimmer, Toilette und Bad auf dem Flur. Die Bewohner werden verpflegt, in der Küche wird jeden Tag frisch gekocht. Die Männer erhalten ein monatliches Taschengeld von 144,08 Euro.

Kontakt
Kontakt

Herberge zur Heimat Himmelsthür gGmbH
Gartenstr. 6 - 31141 Hildesheim
Tel: 05121 - 34 757
Mail: info@hzh-hi.de

Spendenkonto

Sparkasse Hildesheim
IBAN:DE17 2595 0130 0034 6311 31

BIC:NOLADE21HIK

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