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Unbekannt | September 2015

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Unbekannt | September 2015

Fragen ohne Antworten

Diakonie Himmelsthür lädt Straßenkünstler Winfried Baumann nach Hildesheim ein

Von Björn Stöckemann

Hildesheim. „Kunst kann Probleme nicht lösen“, weiß Winfried Baumann. Deswegen geht der Nürnberger seit zehn Jahren regelmäßig auf die Straße. Nicht, um zu demonstrieren, sondern um die Blicke der Gesellschaft auf ihre Missstände zu lenken. „Probleme brauchen Aufmerksamkeit“, findet Baumann. Im 1200. Jahr von Hildesheim hat die Diakonie Himmelsthür mit ihren Tochterunternehmen, der Herberge zur Heimat und den proWerkstätten, sowie dem Projekt Nordstadt.Mehr.Wert der Lebenshilfe den Künstler nach Hildesheim geholt. 450 Menschen nutzen den Tagesaufenthalt der Herberge zur Heimat. 16 Bewohner verzeichnet die Einrichtung aktuell, ist damit ausgebucht. Auch in Hildesheim gibt es Menschen, die sich kein Dach über dem Kopf leisten können. „Urbane Nomaden“ nennt Baumann diese. Sowohl für als auch über sie macht er seit zehn Jahren Kunst.

„Instant Housing“ heißt eines seiner Projekte. Es sind mobile Wohnräume für Obdachlose. Robust, wetterfest und leicht in der Handhabe müssen die Metallboxen sein. Mit wenigen Handgriffen lassen sich die zur Schlafstätte umfunktionieren. Stauraum für einige Habseligkeiten, ein Polster sowie eine Zeltplane sorgen für ein Stück Häuslichkeit. „Als Designer läuft man oft Gefahr, dass die Ästhetik in den Vordergrund gerät“, erklärt Baumann, „bei diesem Projekt ist aber die Funktionalität wichtiger.“

Die Boxen sollen auffallen. Obdachlosigkeit soll im Stadtbild sichtbar sein. „Kunst soll Fragen stellen, beantworten müssen wir diese aber zusammen“, findet Baumann. Aber macht er die Bewohner des „Instant Housing“ dadurch nicht unfreiwillig zu Kunstobjekten? „Die Menschen, als die Nutzer sind interessiert und verstehen den Ansatz“, überlegt er, „aber das beantwortet ihre Frage nur ungenau“, sagt er lächelnd. „Das kann ich ihnen nicht beantworten, da müssen sie die Obdachlosen selbst fragen.“ Das „Instant Housing“ ist eines von mehreren Projekten, die er den urbanen Nomaden gewidmet hat. Ein weiteres ist das „Instant Cooking“, eine ebenso mobile Küche, die 30 bis 40 Personen eine warme Mahlzeit ermöglicht.

Am Platz an der Lilie lädt die Aktion zum „Fußbad für alle“. 20 Passanten können sich hier die Füße waschen. Einen religiösen Bezug hat Baumann dabei nicht im Sinn: „Für einen urbanen Nomaden, einen Wanderer, sind die Füße das Wichtigste.“ Vor allem aber soll es eine Gelegenheit zum Gespräch, zum Austausch, zum Kennenlernen sein. Pünktlich um 13 Uhr beginnt es zu regnen. Der Plan fällt ins Wasser. „Egal, das machen wir morgen einfach nochmal, die Gerätschaften sind schließlich schnell auf- und abgebaut.“ Die Ausstellung von Baumann ist ein Programmpunkt der „1200 Hildesheimer Gestalten“. Zu sechs Aktionen lädt die Diakonie Himmelsthür im Jubiläumsjahr, das Wochenende mit Baumann ist das vorletzte Projekt. Künstler oder Dienstleister - bei den urbanen Nomaden verschwimmen die Begriffe. Ein „Instant House“ kostet 1000 Euro in der Herstellung. An soziale Einrichtungen gibt Baumann die Stücke zum Selbstkostenpreis ab. In Berlin, München oder Montreal sind die mobilen Wohnungen bereits im Einsatz. Wenn alles klappt, sollen einige in Hildesheim bleiben.

Kontakt
Kontakt

Herberge zur Heimat Himmelsthür gGmbH
Gartenstr. 6 - 31141 Hildesheim
Tel: 05121 - 34 757
Mail: info@hzh-hi.de

Spendenkonto

Sparkasse Hildesheim
IBAN:DE17 2595 0130 0034 6311 31

BIC:NOLADE21HIK

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