1. deutsch
Druckversion

Kehrwieder am Sonntag | 25. Juni 2017

Kehrwieder am Sonntag | 25. Juni 2017

Wohnung verzweifelt gesucht

Hildesheimer Arbeitskreis Sozialberatung schlägt Alarm: Für einige Bevölkerungsgruppen ist die Suche nach einer Bleibe fast aussichtlos

Hildesheim - Einige Bevölkerungsgruppen haben in Hildesheim kaum noch eine Chance, eine eigene Wohnung zu finden - das ist die Erfahrung des Arbeitskreises Sozialberatung, in dem rund 15 Beratungsstellen zusammengeschlossen sind. Der Arbeitskreis schlägt Alarm: Wer einmal im Frauenhaus, im Pbdachlosenheim am Langen Garten, in der Herberge zur Heimat oder ähnlichen Einrichtungen Unterschlupf fand, steht mittlerweile fast vor unüberwindbaren Hürden, wenn er zurück in den normalen Wohnungsmarkt will. Die Themse: Es gibt zu wenig Sozialwohnungen - und meist muss ein Bewerber schon im Vorfeld online die Hosen herunterlassen, alles offenlegen. So kommt es oft gar nicht zum persönlichen Kontakt mit einem Vermieter. Mittlerweile hat sich schon ein illegaler Makler-Schwarzmerkt entwickelt: Nur wer unter dem Tisch einen Tausender zahlt, hat manchmal noch die Chance, im Rennen um eine Wohnung nicht den Anschluss zu verlieren.
Das droht indes auch immer mehr Senioren, die nur eine durchschnittliche Rente bekommen. Zwar boomen gerade Wohnprojekte wie die barrierefreien Argentum-Anlagen der Kreiswohnbau. "Doch die können sich die meisten Rentner gar nicht leisten", gibt Volker Spieth vom Mieterverein zu bedenken. Bei einem Pressegespräch berichteten auf Einladung des Arbeitskreises mehrere Betroffene von ihrer zermürbenden Wohnungssuche. Alle möchten ihren Namen nicht nennen - aus Angst vor weiteren Nachteilen im Kampf um eine Wohnung.
Da ist zum Beispiel die 79-Jährige, die seit acht Monaten eine barrierefreie Wohnung suchte. "Fast alle waren für mich unbezahlbar", sagt die Frau, "schließlich will ich nicht nur wohnen, sondern auch noch ein bisschen leben."
Nun hat sie eine Wohnung gefunden, allerdings keine, in der si egelassen altern kann. Die Räume liegen im ersten Stock, das Bad ist eng, einen Fahrstuhl gibt es nicht. Dann ist da die 69-Jährige, die schon seit einem Jahr im Frauenhaus wohnt und von dort aus versucht, wieder in eine eigene Wohnung umzuziehen. Viele Vermieter hätten unverhohlen abgewinkt, als sie ihr Alter nannte, berichtet sie: Dann komme sie ja wohl nicht mehr auf Dauer als Mieterin infrage. Die meisten Vermieter hätten gar nicht geantwortet.
Das schlimmste Stigma be der Wohnungssuche ist, wenn keine Adresse im Ausweis steht, weiß das Team der Ambulanten Wohnungslosenhilfe. Das stellt bis zu 200 Postadressen zur Verfühung, damit Obdachlose überhaupt den Schriftverkehr mit Vermietern führen können. Notunterkünfte, die als Übergangelösung gedacht sind, werden für viele Bewohner notgedrungen zum Dauerzustand: "Die kommen da einfach nicht wieder raus", sagt Rouven Aschemann von der Wohnungslosenhilfe. Das gilt zum Beispiel für die acht Wohnungen, die der Verein Kwabsos für Haftentlassene bereithält. Früher wohnten diese dort ein halbes JAhr, heute meist über zwei Jahre.
Die Lage wird noch durch Bürokratie verschimmert. So darf die Herberge zur Heimat nur Obdachlose von außerhalb aufnehmen, keine "echten" Hildesheimer. Die müssen in eine andere Stadt.

Kontakt
Kontakt

Herberge zur Heimat Himmelsthür gGmbH
Gartenstr. 6 - 31141 Hildesheim
Tel: 05121 - 93 59 19 10
Mail: info@hzh-himmelsthuer.de

Spendenkonto

Sparkasse Hildesheim
IBAN:DE17 2595 0130 0034 6311 31

BIC:NOLADE21HIK

Im Verbund der

Seite empfehlen

Füllen Sie die Felder aus, und klicken Sie auf Senden, um diese Seite weiterzuempfehlen!

Code